Endstation

Gleich wenn man den Friedhof betritt, steht vorne rechts die neue Stele eines Gemeinschaftsgrabes. Die ersten beiden Namen, die darauf stehen gehören Leuten, die im neuen Pflegeheim gestorben sind. Es waren mit die ersten Toten des neu eröffneten Hauses. Das irritiert mich immer wieder, wenn ich den Friedhof besuche, obwohl inzwischen etliche weitere dazu gekommen sind.

Nekropole

„Und dann bin ich gern auf Friedhöfen, weil sie für mich gewaltige, ungeheuer bevölkerte Städte sind. Denken Sie nur, wie viele Menschen auf dem kleinen Raum ihre letzte Ruhe gefunden haben, denken Sie an die Generationen von Parisern, die dort wohnen, für immer, endgültig unter der Erde, eingeschlossen in kleine Grabgewölbe, in kleine, mit einem Stein bedeckte oder einem Kreuz bezeichnete Erdlöcher – und wieviel Platz wollen die Lebenden um sich haben, wie laut sind sie, diese armseligen Toren!“

Guy de Maupassant, Friedhofsbesuche

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In Ewigkeit

Konnte gestern dem Wunsch, mich einfach in der Sonne zusammenzuringeln und zu schlafen wie meine Katze, nur knapp widerstehen. Also schnell hinaus und eine Autofahrt unternommen – durch lichtdurchflirrte Wälder, Plantagen mit Bäumen voller reifer Äpfel und über halb abgeerntete Feldern. Doch all die schönen Orte waren schon von Menschen besetzt. Also immer weiter. Letztlich in Reinhardtsgrimma gelandet – auf dem Friedhof.

Friedhöfe haben es mir seit jeher angetan. Nicht aus Todessehnsucht heraus, sondern weil der Friedhof das Ziel eines jeden Menschen ist. Darauf läuft alles hinaus. Und hier relativiert sich alles – Träume, Gedanken, Ziele und die inneren Kämpfe eines Menschen … Am Ende landet alles mit ihm unter der Erde und keiner weiß mehr etwas davon, wie sehr der Mensch auch gerungen hat. Denn der gemeine Mensch hinterlässt kaum Spuren. Da soll man sich keinen Illusionen hingeben. Alles ist nach kurzer Zeit vergessen.

Ich finde das sehr tröstlich. Auch wenn so betrachtet ein Leben als vergebliche Anstrengung erscheinen mag. Der Gedanke ist schön: die Zeit relativiert alles, auch ein menschliches Leben.

Abschluss

Die Liebe höret nimmer auf.“ – ein beliebter Grabspruch am Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Johannisfriedhof und im Urnenhain Dresden-Tolkewitz…

Habe mich nun sattgesehen fürs Erste. Und wieder festgestellt, dass Details mich mehr interessieren als der große Überblick – zumindest in der Fotografie. Alle Überblicksfotos, die ich machte, fand ich misslungen – überfrachtet und unruhig.

Feininger empfiehlt sich neben einem Normalobjektiv als zweites ein Teleobjektiv statt eines weitwinkligen zu kaufen. Ich stimme zu. Das schult den Blick für Details und man ist gezwungen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Reduktion statt Überfülle.

Elektrisches

Habe mich heute unter Buchen aufgehalten – während eines Gewitters. Falls das nichts genutzt hätte, wäre ich dennoch nicht fehl am Platze gewesen. Die Buchen standen auf dem Johannisfriedhof in Dresden.

Vorher war ich bei der wunderbaren Frau B., die selbst im verschwitzten Zustand noch sehr gut aussieht. Ich habe das dienstliche Gespräch künstlich in die Länge gezogen und ihr zum Abschied gleich zweimal die Hand gegeben. Natürlich ist auch die Hand – Pars pro toto – von hervorragender Qualität. Ein haptisches und optisches Gedicht.