Generelles Unbehagen

Verstimmt, weil mich die Umstände zwingen immer konservativer werden zu müssen. Eine Entwicklung, die ich früher gar nicht für möglich gehalten hätte. Langsam schicke ich mich aber darein. Hysterie – auch gut gemeinte – ist nie ein guter Ratgeber. Als gewesener Naturwissenschaftler bevorzuge ich immer noch das wissenschaftliche Arbeiten, also das kritische Auseinandersetzen mit Themen, eine systematische Herangehensweise und klare Definitionen – kurz eine saubere Arbeitsweise. Moralisches Erhabensein an sich ist kein Argument.

Feststellung

Ich vermisse die Zeit als es noch Stil und Anstand, Höflichkeit und gute Manieren gab. Ich weiß, so hören sich angeblich alte (weiße), frustrierte Männer an. Nur bin ich nicht frustriert, ich bin nur angeekelt. Der heute dominierende rüpelhafte und hysterische Umgangston, in welchem jede noch so belanglose Befindlichkeit ohne Rücksicht laut hinaus gegreint werden muss, geht mir unheimlich auf den Sack – mit Verlaub gesagt.

Da war doch was!?

Wieder einmal Zeitumstellung. Ich hoffe, man trifft die einzig richtige Entscheidung und wählt die Normalzeit als zukünftig dauerhaft geltende. Doch Vernunft steht heute nicht mehr hoch im Kurs. Momentane Befindlichkeiten, das permanente Reden darüber und Gefühlsduseleien haben das Zeitalter der Aufklärung zu einem Ende gebracht. Als gewesener Naturwissenschaftler reibe ich mir verwundert die Augen, Kindereien wohin man blickt. Vielleicht muss ich aber auch nur einmal einen dieser beschissenen Achtsamkeitskurse belegen und gelegentlich mein inneres Kind befragen, was es denn heute so Albernes tun oder lassen möchte und schon ist alles wieder gut.

Redebeitrag

Das Problem unserer Zeit und Gesellschaft: Man verkauft das Diskutieren über ein Problem schon für die Lösung dieses Problems – im Großen wie im Kleinen. Und neunzig Prozent der Deppen da draußen ist damit vollkommen zufrieden. In ihrer infantilen Naivität freuen sie sich sogar auch einmal „gehört“ worden zu sein.

Die oder ich

Ekel vor der Welt immer größer. Vor der Wahl stehend, den marktschreierischen Zirkus mitzumachen oder sich von allem so weit es geht auf sich selbst zurückzuziehen, ist die Entscheidung einfach. Kontakte zum System nur so weit wie unabdingbar. Ansonsten Distanz und Verachtung. In jeder freien Minute hinaus in die Landschaft. Mein Verhalten nicht pathologischer als das der anderen.

Alternativlose Bastapolitik

Ein Klima der Angst und Einschüchterung, wie im Kleinen so auch im Großen. Menschlichkeit, Mitgefühl, Empathie – nichts davon. Ein erkennbarer Versuch die unerträglichen Zustände wenigstens zu lindern, von generellem Umdenken ganz zu schweigen … Fehlanzeige. Eine trostlose deutsche Gesellschaft, eine trostlose europäische Gemeinschaft.

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Nischendasein

»Der Turm«. Ein Sittengemälde der untergehenden DDR usw. Mhm …
Eine Nische von vielen wurde beschrieben. Mehr aber auch nicht. Aus meiner Sicht handelte es sich bei den Bewohnern des Weißen Hirsches auch damals schon um eine privilegierte Schicht. Keinesfalls stellen sie einen repräsentativen Querschnitt der DDR-Gesellschaft dar, wie in einigen Rezensionen aufscheint. Das ist es wahrscheinlich, was mich an diesem Werk so stört, dieses: So war die DDR!

Metaphysisch

Ein Ausflug mit Rentnern. Ausgedehntes Mittagessen in einem Lokal mit Blick über die Stadt. Auch die weibliche Bedienung sehenswert. Man durfte sie nur nicht zu lange anschauen, gleich kam sie an den Tisch und fragte, ob alles in Ordnung sei. Was sollte man da sagen? „Natürlich nicht aber Sie dürfen mich trösten.“…?

Zimmer 12

Gestern war ich bei den Arbeitsagenten zu Gast, einer freundlichen Einladung folgend. Ich habe es genossen, es war schließlich das letzte Mal – so weit es im Moment abzusehen ist. Die Arbeitsagentin hat mir ein paar Fragen gestellt und dann sehr professionell meine Antworten ignoriert. Sie hat mein Profil im Computer aktualisiert – das Wichtigste überhaupt. Sonst hat sie auch noch verschiedene andere bedeutende Dinge gemacht, die ich aber alle vergessen habe. Ach nein: eine Veränderungsmitteilung hat sie mir ausgedruckt und mitgegeben, die soll ich hinschicken, wenn ich einen Arbeitsvertrag blablabla …

Die Betreuung durch die Arbeitsagenten ist insgesamt gesehen sehr gut. Man muss ja auch mal das Positive sehen. Es werden einem kaum größere Steine in den Weg gelegt und die nutzlosen Hinweise, die man erhält, kann man einfach ignorieren, das fällt nicht weiter schwer. Man muss Verständnis haben für die schwere Arbeit, die dort geleistet wird. Und dankbar, dankbar muss man sein.

Frau W. von P.

Eine Vertreterin eines großen deutschen Pflegeunternehmens war da. Und das sagt schon alles. Ein Klischee sei nichts als verdichtete Wahrheit, las ich jüngst, und so muss es wohl sein. Das gleiche geblähte Gebaren, Laptop, Beamer, Powerpoint plus Werbefilm, wie erwartet. Der gleiche Marketingsprech nur diesmal Menschenmaterial betreffend. Umsatzzahlen, Mitarbeiter, Aufstiegschancen, blablabla … Am Ende Werbegeschenke für die Anwesenden.

Wie mich das alles anödet. Diese gelackten Vertreter des Homo oeconomicus, das ganze System, das sie vertreten, das ihnen bei Schritt und Tritt aus jedem Knopfloch schaut. Mit eurem System habe ich gar nichts zu tun. Ich finde es zum Kotzen. Danke für die Aufmerksamkeit.