Positiv

Ein kleines, feines Interview mit Harald Schmidt in der NZZ. Über der Sache stehen, Distanz wahren, sich nicht in die Karten schauen lassen und alles nicht so ernst nehmen, besonders die ernsten Sachen. Solche Kaliber gibt es in den deutschen Medien heute gar nicht mehr, nur noch öde staatstragende Böhmermänner.

Audiatur et altera pars

Ein Interview, welches der Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle Christian Thielemann der Zeitschrift CORPS (Gott sei bei uns!) anlässlich seines sechzigsten Geburtstages gab, lässt mich den Mann, den ich früher eher kritisch sah, in einem positiven Licht erscheinen. Man muss seine Position zum Elitegedanken nicht teilen, obwohl ich finde, dass er selbst da recht hat, aber seine Aussage zur Bedeutung von Arbeitsethos, Disziplin und Zuverlässigkeit ist unwiderlegbar. Mit Jammern, Gegreine und Schludrigkeit bekommt man gar nichts hin im Leben.

Wir alle sollten eigentlich Preußen sein“ (PDF)

Werte

„Dieses ewige teutonische Drängen und Wollen und mehr und noch mehr, diese Unruhe, anstatt sich zu besinnen und fragen: Wo und was sind die wirklichen Werte? Sie reden über den polnischen Bauern, ‚diese faulen Kerle‘. Wenn der müde ist, will er schlafen und sich ausruhen. Das ist eine Entschlußfähigkeit, die ich menschlich bewundere. Nicht dieses Drängeln, dieses Müssen, dieses ewige Schaffen “

Lovis Gremliza, geb. 1912 in Stuttgart, aus Henry Ries, »Abschied meiner Generation«, Interview vom 4. Mai 1991, München

Kinderbuchautor?

Janosch, der mit der Tigerente. Einer der doofe Kinderbücher schreibt. Irrelevantes Zeugs. So ein Mensch interessiert mich nicht — dachte ich.
Dann las ich im Freitag ein Interview mit ihm. Selten so abgeklärte Ansichten über das Alter, das Schreiben, Gott und das Trinken gelesen. Erinnert mich ein bisschen an Bukowski, nicht nur wegen des Saufens. Dringende Leseempfehlung.

Nicht zumutbar

„Eine Wiedervereinigung kann ich mir nicht vorstellen. Da gebe ich Honecker ganz recht, die beiden deutschen Staaten, so wie sie jetzt sind, das ist Feuer und Wasser. Einer müsste seine Existenz so wandeln, daß er sich praktisch selbst aufgibt; und das ist nicht zumutbar.“

Sebastian Haffner, Als Engländer maskiert, 19. Februar 1989