Exitus

„Dort im Bette in der Ecke verstummt plötzlich das Röcheln, das bislang hörbar war. Der Arzt geht hin und leuchtet dem wachsbleichen Mann unter das Augenlid. Die Irren sammeln sich rings um das Bett und stieren auf den Alten. ‚Exitus‘, konstatiert der Arzt leise.“

Egon Erwin Kisch, Die Irren

Hier drin

Vincent van Gogh soll über seinen Aufenthalt in der Irrenanstalt nicht unglücklich gewesen sein. Er schuf dort in knapp einem Jahr einhundertfünfzig seiner Werke.

„Ich bin glücklicher hier drin mit meiner Arbeit als ich es draußen sein könnte.“

Man stelle sich das einmal vor, was man erreichen könnte, wäre man befreit von den Anödungen des Alltages und den Zumutungen seiner Mitmenschen. Andererseits schärfen diese Zumutungen den Sinn für das wirklich Wesentliche – wenn sie ihn, was wahrscheinlicher ist, nicht abtöten.

Unauffällig

„Die tagtägliche Behandlungsroutine war absolut nicht mühsam, nur manchmal, von Zeit zu Zeit, befiel mich ein leichtes Unwohlsein, wenn ich zum Beispiel allzu lange mit den Insassen Konversation getrieben hatte; dann packte mich eine Art Schwindel, als hätten die Patienten mich weit von meinem gewohnten Ufer fortgebracht, mit sich geführt, unauffällig, von einem ganz gewöhnlichen Satz zum nächsten, mit harmlosen Worten, bis mitten in ihren Wahn hinein. Dann fragte ich mich eine kurze Weile, wie ich da wieder rauskommen sollte und ob ich nicht unvermittelt ein für alle Mal in ihrem Irresein mit eingesperrt war, ohne es zu bemerken.“

Louis-Ferdinand Céline, Reise ans Ende der Nacht

Irrenhaus

„Aber er dachte an all das, was er über die Reaktionen der Verrückten geschrieben hatte, wenn sie eingesperrt wurden, über die Medikamente, die Müdigkeit, die weiche Resignation, die Isolierung, über die Riemen, wenn sie rebellisch wurden, die plötzliche Unruhe, die Schreie in der Nacht und die Sicherheit am Vormittag, wenn er ihre Wut und Aggression sorgsam mit Medikamenten dämpfte.“

Øystein Lønn, Maren Gripes notwendige Rituale