Kirche, Weinberge und Bienenfresser

Schwer an einem sonnigen Vatertag ein Ausflugsziel zu finden, dass nicht von angesoffenen Halbstarken oder stiernackigen Brüllaffen beeinträchtigt ist. Das kleine Elbweindorf Zadel und dessen Umgebung wurde von diesen Kohorten zum Glück weitgehend verschont. Die weiße Kirche des Ortes hatte mich schon mehrfach von der anderen Elbseite herüber leuchtend zu einem Besuch gereizt.

Die Kirche offen und kaum jemand drinnen, wunderbar kühl und mit dem typischen Kirchenduft gesegnet. Auf der zweiten Empore eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Bauwerks, in der hölzernen Brüstung Einritzungen gelangweilter Kirchenbesucher vornehmlich aus den 1950’er Jahren, in einer Ecke eine ausgelöste Mausefalle ohne Maus aber noch mit Restköder. Ich stieg bis in den Kirchturm hinauf, in welchen ein froschgesichtiges angeblich slawisches Götzenbild unklarer Herkunft eingemauert ist. Unter den Schuhsohlen knirscht der Dreck der im Kirchendachstuhl wohnenden Fledermäuse.

Nach einer Runde über den Friedhof weiter durch die Weinberge an der Steilkante entlang Richtung Rottewitz. In der Ferne sieht man Meißen mit dem Burgberg. (Einen Eindruck der Landschaft gewinnt man durch diese Bilderstrecke eines Meißner Fotografen.) Kurz vor Rottewitz ein Trupp Menschen mit Ferngläsern und Fernrohr:  Im Steilhang über der Elbe nistet hier eine Kolonie Bienenfresser. Noch nie hatte ich diese bunten Vögel bisher in Natura gesehen. Schließlich durch die Felder der Hochfläche wieder zurück nach Zadel.