Alltag

L. trägt immer eine Notfalltüte mit sich herum, um bei auftretenden Panikattacken mit Hyperventilation gerüstet zu sein. Bereits leichte Nervosität, wenn sie diese beim ersten Kontrollgriff nicht sofort findet. S. wurde wieder mit mehr als 2 ‰ Alkohol im Blut erwischt, mittags. Frühdienst bis dahin gut gemeistert. H. will sich woanders bewerben. Hat die Nase voll von endlosen Überstunden und der ewigen Einspringerei.

Zeit

P. hat einen kleinen Jungen bekommen. L. erscheint mir in ihrer Verrücktheit fast normal. H. ist wieder sehr anschmiegsam. Ich fühle mich alt und schwach und verschwende Energie darauf stark und vital zu erscheinen. Nichts ist erreicht und die Zeit läuft mir davon.

Krank

L. – auch so ein kaputtes Mädchen – ist jetzt in einer Tagesklinik, um ihre Panikattacken in den Griff zu bekommen und ihren ausufernden Tablettenkonsum. Sie frisst Tavor wie andere Bonbons. Und nicht etwa, dass sie ihr dauerhaft etwas gebracht hätten außer Abhängigkeit.

Sie fuhr vor kurzem mit dem Auto an mir vorbei als ich auf Fototour war. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich gesehen hat. Ich wollte sie anrufen, wußte aber nicht, was ich sagen soll: Gute Besserung!, Komm bald wieder!, Ich vermisse dich!, Wie geht es deinen Möpsen*?

* Sie hat tatsächlich zwei dieser komischen Hunde.

Alles gut

Sind viel zerbrechlicher, die kleinen Mädchen, als man glaubt. Sie überspielen viel mit herumalbern und lachen und quatschmachen und flirten und gehen dann doch kaputt. Und ich dachte Maske tragen wäre meine Spezialität.

Veröffentlicht in Notizen Verschlagwortet mit ,