Zwischen Dresden und Meißen

In den letzten Tagen unterwegs im sächsischen Elbland und dem Meißner Hochland. Von mir längere Zeit vernachlässigte Landstriche. Am Ufer der Elbe entlang, die links- und rechtselbischen dicht bewaldete Täler hinauf. Oben auf den lößbeeinflussten Hochflächen kleine Dörfer und landwirtschaftliche Flächen. Die Südhänge mit Wein bebaut. In den letzten Jahren wurde viele Flächen wieder aufgerebt. Wieder hinunter an die Elbe, die Niedrigwasser führt. Große Fische springen, kleine Fische wimmeln im warmen, flachen Uferwasser, Frösche quaken und Grillen zirpen. Kaum ein Schiff unterwegs, nur ein paar Ruderer vom Meißner Ruderclub. Überhaupt Meißen, der Fluß, der Dom, die merkwürdigen Einwohner.

Tempi passati

Auf den Pfaden der Vergangenheit in Meißen. Zehn Jahre ist jetzt alles her. Manches hier ist anders geworden, manches unverändert geblieben, so scheints. Die großen alten Linden sind weg, neue, kaum wahrnehmbare wurden als Ersatz gepflanzt, Häuser saniert, abgerissen, neu gebaut. Am Eingang des Winterhafens dreht sich das Treibgut wie eh und je. Der Biber arbeitet am Gehölz. Ein Kormoran sitzt auf dem Schifffahrtszeichen. Die Firma gibt es noch unter der alten Adresse. Immer noch das gleiche alte Logo am überquellenden Briefkasten. Vor zehn Jahren habe ich hier gearbeitet und konnte mir nichts anderes vorstellen.

Meißen

Sah heute in Meißen auf der Mole des Winterhafens mehrere Schmetterlinge, Kohlweißlinge, Kleine Füchse und einen Admiral. Die sonnten sich gleich mir auf den Steinen. In der Luft überhaupt viele kleine Insekten, die mir mit Vorliebe mitten ins Gesicht flogen. Auf mein Haupthaar legten sich derweil schwebende Spinnenfäden.

Aber ich will gar nicht klagen. Das einzige was wirklich stört, ist der dauernde Verkehrslärm. Wie müssen die Städte sich früher angehört haben? Hufe- und Wagengeklapper, das Rumoren der Handwerker in ihren Werkstätten, das Rufen der Händler auf den Marktplätzen, das Schnaufen einer Dampfmaschine, ab und zu klopft eine Hausfrau einen Teppich aus oder ihren Mann, wenn er besoffen heimkommt (Ein älterer, aber leicht besoffener Herr – ha!). Was weiß denn ich, es verklärt sich ja alles, wenn es eine Weile her ist. Denke aber doch, der Lärm war menschlicher.

Wie wird die Stadt sich in ein paar Jahrzehnten anhören, faucht und rauscht sie immer noch? Will ich gar nicht wissen. Ich hoffe viel leiser als heute.