Traumbilder

Selten nach Ende der Nachtdienste so starke Migräne gehabt, letzte Nacht kaum geschlafen. In langen  wachen Phasen hackende Kopfschmerzen, während des kurzen Schlafes wirre Traumfragmente seltsamerweise wie ein opulenter und rätselhafter Kinofilm angelegt. Weitwinklige Natur- und Stadtlandschaften in schönen Farben, ich darin unterwegs. Diffuse und vergebliche Kontaktversuche mit Menschen. Später in eine Hochzeit mit vielen Gästen geraten, die Braut hat Angst vor mir, so scheint es, und versteckt sich, der Bräutigam freundlich distanziert. Komische Gesellschaftsspiele, Unbehagen, ich möchte fort, meine Hose ist weg. Bilder eines großen Umkleideraumes, später eines Marktplatzes mit Verkaufsständen, Frauen als Verkäuferinnen, dann eine Straße, Fußgängerüberweg, Gespräch mit einer Frau … Immer wieder Frauen. Das schöne und intensive Gefühl über glatte und weiche Frauenhaut zu streichen, schöne Frauenhintern … Nichts primär Sexuelles. Gefühl von Vergeblichkeit.

Rückkehr

Die Nachtdienste selber sind nicht das Problem, das antizyklische Leben hat seinen Reiz. Auf Arbeit zu fahren, wenn es sich andere vor dem Fernseher gemütlich machen, nach Hause zu kommen und in sein Bett kriechen zu können, wenn andere ihr ödes Tagewerk beginnen müssen.
Die Umstellung auf Tagesbetrieb fällt sehr viel schwerer. Vor allem der erste Tag ist merkwürdig. Die Migräne ist das eine, eine alte Bekannte, mit der man inzwischen umgehen kann. Aber da ist noch etwas anderes, eine Traurigkeit, die man sich nicht erklären kann.

Lichtblicke

Nachtdienste mit Zeitumstellung sind eine besondere Herausforderung. Das gibt der Migräne zusätzliche Nahrung. Jetzt hat sie ihr Pulver langsam verschossen und verschwindet einen leichten Schwindel zurücklassend.

Glücklicherweise hatte in einem Teil meiner Nächte das zauberhafte Fräulein P. Spätdienst und ich so einige Stunden mit ihr allein – sieht man von den Insassen einmal ab. Sie schmeichelte meiner Eitelkeit gar sehr, indem sie mich auf höchstens 34 schätzte. Sie hält mich für lustig und sie mag mich, sagt sie… Und dann soll man noch die ganze Nacht allein konzentriert weiter arbeiten!

Nightlag

Auftauchen aus der Nachtschicht. Schöne Fahrten bei starkem Schneefall und Dunkelheit gehabt. Die Schneeketten kamen nicht zu Einsatz, mein altes, treues Auto wühlte sich auch ohne durch.

Gegen die hämmernde Migräne taugt vormittägliches Schneeschippen als Gegenmittel nicht. Ich habe das befürchtet und wenigstens versucht, den pochenden Rhythmus im Kopf mit den Schippbewegungen in Übereinstimmung zu bringen. Keine Erleichterung feststellbar. Jetzt klingen Kopfschmerzen und Schneefall langsam von alleine ab – einigermaßen synchron.

Die Migräne ist weg, eine bleierne Müdigkeit und diffuse melancholische Grundstimmung ist geblieben. Die Melancholie ist mir angenehm, sie passt so schön zu mir, doch die ewige Müdigkeit frisst mir den Verstand weg. Mein Kopf läuft unrund und mit halber Kraft, produziert, wenn überhaupt, nur Stückwerk.