Meißen

Mit N. einen Nachmittag durch das tausendjährige Meißen abseits der Touristenpfade. Leider hatte das von mir ausgespähte Restaurant einen vorgezogenen Ruhetag eingelegt. Im Garten nur ein stummer alter Zausel und ein wie toll bellender Hund. Also woanders eingekehrt. Auch schön. Die ganze Zeit gut unterhalten. Doch Sozialkontakt welcher Art auch immer strengt mich unheimlich an. Zum Glück ist die Frau unkompliziert und bar jeden affektierten Gehabes.

Vortrag

Mit N. bei einem Vortrag gewesen. Später in einem Restaurant gegessen, unterhalten und durch die Stadt gewandert. Alles ganz harmlos, ungezwungen aber keineswegs banal. Sehr angenehm. Konklusion: Ich kann auch »Sozialleben«. Einzelgängerisches Verhalten dennoch bevorzugt.

Unterhaltung to go

In Pirna unterwegs sprach uns ein älterer Mann an. Zum Anlass nahm er die Umhängetasche von N., auf der Schweden- und Dänemarksticker aufgenäht waren. Er begleitete uns eine Zeit lang und erzählte in einem fort durchaus intelligente DDR-Witze. Er war harmlos aber ein wenig lästig. Er schien dem Typus des nach der Wende Gestrauchelten und nicht wieder auf die Beine Gekommenen zu entsprechen. Hätte mir aus anderen Gründen auch so gehen können. Als es uns schon etwas viel wurde, verabschiedete er sich höflich und kehrte für ein Bier in die Trollischenke [sic!] ein.

Pirna

Gestern mit N. in Pirna unterwegs. Zuerst Schloss, Schlosspark mit Restgebäuden der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt besichtigt. Wir waren auch in der kleinen Ausstellung der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Ich bin da vorher nie drinnen gewesen. Wenn man in der Gaskammer steht, im Leichenraum, im Verbrennungsraum ist das sehr beklemmend. Auf wenigen Quadratmetern wurden in wenigen Monaten fast 15.000 Menschen umgebracht und verbrannt. Ein Vorläufer von Auschwitz mitten im Reich in einer kleinen, hübschen Stadt.

Später durch die Altstadt, an der Elbe lang und rüber auf die andere Elbseite, hoch zum Burglehnpfad mit schönem Blick auf die Stadt. Danach Einkehr in eine urige Kneipe. Im Dunklen durch den Schlosspark zurück zum Auto. Angenehm das Zusammensein, es macht mir Spaß ihr Dinge zu zeigen und zu erklären. Sie ist neugierig und erweitert auch meinen Horizont.

 

Streifzug

Mit N. einen Nachmittag an der Elbe unterwegs. Sonnig aber windig und kalt. Einen Abstecher in die Tierklinik gemacht und Schmerzmittel für ihre Katze geholt, die auch krank ist. Durch die Parks der Elbeschlösser gestreift, an der Saloppe vorbei zum Blauen Wunder. Schließlich im Schillergarten eingekehrt. Erst im Dunklen zurück.

Stadtwanderung

Mit N. den ganzen Tag bis es dunkel war durch die Stadt gelaufen. Touristenhotspots dabei schnell passiert. Den Kopf geschüttelt über Beliebigkeitsinvestorenarchitektur in Klotzbauweise mit Alibisandsteinverkleidung, durch Zaunlöcher in archäologische Ausgrabungen geschaut, vielfältige Kellergewölbe aus mehreren Jahrhunderten bewundert, die darauf warten abgebaggert und mit Beliebigkeitsinvestorenarchitektur in Klotzbauweise mit Alibisandsteinverkleidung überbaut zu werden. Der Fortschritt kennt keine Grenzen. Die Puppenstube Neumarkt ist aus anderen Gründen misslungen. Da erscheint einem der Stalin-Barock der Wilsdruffer Straße noch authentischer. Vielleicht wird es mit etwas Patina nach ein paar Jahren besser. Schließlich am Landtag vorbei auf die Schlachthofinsel, auf einer Bank gesessen und über die Elbe nach Pieschen hinüber geschaut, am Alberthafen auf den Trümmerberg geklettert und in der Dämmerung über den Alten Katholischen Friedhof in der Friedrichstadt gestreift.

Nachtmahl

N., die man sich ungefähr wie Schneewittchen aussehend vorstellen kann, hat in einer unserer gemeinsamen Nachtdienste für mich gekocht, weil sie den Anblick meiner industriell hergestellten Fertignahrung nicht mehr ertragen konnte. Diese Geste hat mich sehr gerührt. Es kommt nicht oft vor, dass Frauen für mich kochen.

2 x N.

Man drängt mich ungewollt in eine Karriere hinein. Hätte ich an so etwas Interesse, würde ich mich freuen. Man überredete mich sogar mit der Gilde der mittelhohen, hohen und höchsten Chefs für einige Tage eine Messe in der Stadt zu besuchen, in der früher Reichsparteitage abgehalten worden sind. Alles auf Firmenkosten natürlich, Hotel, Essen, Nutten. Höchste Zeit zu kündigen, rät dringend mein innerer Bartleby. Vielleicht aber lieber doch nicht, denn ein wachsender Trost ist mir N., die, seit wir dienstlich einige Nächte verbrachten und uns dabei sehr gut unterhielten, langsam zutraulich wird, worüber ich mich, im Gegensatz zum Vorgenannten, sehr freue.