Nachtmahl

N., die man sich ungefähr wie Schneewittchen aussehend vorstellen kann, hat in einer unserer gemeinsamen Nachtdienste für mich gekocht, weil sie den Anblick meiner industriell hergestellten Fertignahrung nicht mehr ertragen konnte. Diese Geste hat mich sehr gerührt. Es kommt nicht oft vor, dass Frauen für mich kochen.

Arbeitstier

Die Stelle, für die ich letzte Woche vorgesprochen habe, heute mit erlesenen Worten per Mail abgesagt. Man weiß ja nie, ob man sich nicht noch einmal begegnet. Dann als Fingerübung bei den Arbeitsagenten als arbeitssuchend registriert. Das wird lustig werden, jetzt scheißen die mich mit sinnlosen Angeboten zu, die ich alle ablehnen muss, weil sie so sinnlos sind.

Ansonsten Kopfschmerzen nach langer Nachtdienstsession. Therapieversuch: »Brügge sehen… und sterben?« Danach Kopfschmerzen noch stärker und hieronymusboschartige Träume.

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Nächtlicher Besuch

Beim Betreten des Umkleideraumes und Einschalten des Lichtes huscht etwas an der Wand entlang, verschwindet kurz in der Duschkabine, kommt wieder hervor, läuft an den Spinden entlang und zwängt sich schließlich am Ende der Reihe unter den letzten, etwas vom Boden abstehenden Spind. Keine Maus, eine Spitzmaus. Sie muss durch den Lichtschacht gefallen und durch das angekippte Fenster herein gekommen sein. Ich überlege noch, was zu tun ist, da kommt sie wieder hervor, eine große Staubfluse hinter sich her schleppend. Einfangen und freilassen wäre gut. Ich zögere zu lange. Sie sieht sich kurz meine Schuhe an, läuft dann zur Tür, quetscht sich unten durch und trippelt schnurstracks an der Scheuerleiste entlang zur Damenumkleide, um diese zu besichtigen. Auch gut.

Nachtdienst

Drei Nächte mit einer kühlen Blonden verbracht. Jung und nahezu klassisch schön ist sie und nicht im mindesten affektiert. Distanziert auf angenehme Weise, von Arroganz keine Spur. Später ist sie etwas aufgetaut. Gut mit ihr unterhalten. Sehr angenehmes Wesen, ruhig und klar.

Wiedersehen

Letztens tauchte eine neue Insassin im Pflegeheim auf, deren Name mich sofort stutzig machte. Alter und Beruf passten auch. Ein späterer Kontrollgang brachte Gewissheit. Meine alte Erzieherin aus frühen Schulzeiten, Hortnerin hieß das damals. Sie hat mich, glaub ich, nicht erkannt.

Ausguck

Mit der schönen A. den Sonnenaufgang vom Dach beobachtet. Dabei kurzer Exkurs meinerseits über Wolkenformationen unter besonderer Berücksichtigung der festgestellten Ausprägung der Cirruswolken und deren Aussagekraft hinsichtlich eines bevorstehenden Wetterumschwunges. In einer anderen Nacht von diesem Aussichtspunkt die Explosionen, den Feuerschein, das Geschrei der Anwohner und schließlich das Eintreffen der Feuerwehr im etwas entfernten Wohngebiet verfolgt.

Nachtdienst

Dauernachtdienst ist genau mein Ding. Er entspricht auf ideale Weise meinem „Krankheitsbild“, meinem übertrieben einzelgängerischen Wesen. Sich lieber in die Nacht zu flüchten als sich den sozialen Ansprüchen des Alltages auszusetzen, der mir nur unnötig Kraft raubt, ist der passende Lösungsansatz. Eines normalen Soziallebens unfähig ist das die konsequente Existenzform für mich. Das Zusammensein mit mehr als einer Person strengt mich unglaublich an. Mit Einzelnen hingegen ist das meist wunderbar. Gerade eben erst nacheinander mit zwei schönen und interessanten Frauen die Nachtdienste verbracht. Sie erzählen gerne, ich höre gerne zu. Ideal.