Und weg

Wir fanden die Frau gegen 04:15 Uhr in ihrem Erbrochenen liegend. Hemiparese links, Aphasie, Wesensveränderung. Notarzt. Krankenhaus. Diagnose: Hirnblutung. Therapie: keine. Palliative Situation. Nach drei Tagen Exitus letalis. Sie war ganz nett.

Dies und das

Der Waschbär, das Arschloch, gräbt in der Nacht mein Hochbeet um und killt die kleinen Pflänzchen, die ich mit Mühe dort angebaut habe. Ich plane mir eine Mütze aus dem Fell des Tieres zu machen – im Trapper Style.

Im Pflegeheim haben wir jetzt eine junge Frau. Sie war vollkommen gesund bis zum letzten Herbst. Dann hatte sie einen Reitunfall, seitdem ist sie ein Wrack durch üble Hirnschäden. Und man selbst glaubt manchmal man hätte Probleme.

Ohne einen Quality Drink zur Hand zu haben höre ich eine Whiskey Blues Mischung. Hat auch Nachteile das Trinken aufgegeben zu haben.

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Fachgespräch

Jetzt sterben die letzten COVIDianer, jene die ihre Infektion zunächst überstanden haben aber Wochen oder Monate später dennoch an irgendwelchen Covid induzierten Komplikationen eingehen. In der letzten Nacht mit einer jungen Ärztin unterhalten, während sie den Totenschein für einen weiteren auf diese Weise Verstorbenen ausfüllte. Die Höhe der Antikörper nach einer überstandenen Covid-Infektion ist nach ihrer Untersuchung erstaunlich gering, nur nach schwerem Krankheitsverlauf signifikant. Erst nach erfolgter Impfung seien die Antikörper wirklich in hohem Maße vorhanden. Ein Glück, dass es mit dem Impfen so schnell voran geht.

Interessante Frau und auch sehr attraktiv. In diesem letzten Punkt deutlich über dem Niveau der von mir ebenfalls sehr geschätzten Dr. House, Dr. Perry Cox und Dr. Hawkeye Pierce liegend. Vielleicht stirbt bald wieder jemand und ich sehe sie wieder.

Viel zu tun

Habt ihr Corona-Fälle im Haus, fragt der Typ vom Rettungsdienst. Zurzeit nur noch vier, die anderen sind alle gestorben, antworte ich. Langsam nimmt es surreale Züge an. Das Heim ist zu einem Viertel leer, die Leute sterben wie die Fliegen mit und an Corona. Das Pflegepersonal dünnt auch sehr aus, manche als Positive nur in Quarantäne, manche richtig schwer krank. Ich bin immer noch negativ trotz häufigen Kontaktes mit Erkrankten. Die häufigsten mir aufgefallenen Anzeichen bei den später schwer verlaufenden Fällen sind Wesensveränderungen bis hin zu psychotischen Schüben, extreme Schwankungen des Blutzuckerwertes manchmal auch hohes Fieber. Wenn die Leute den irren Blick bekommen, gehen bei mir die Alarmglocken an.

Film oder Realität oder Film

Gestern wieder einmal „Lost in Translation“ gesehen. Einsamkeit und Verlorenheit, die einem in einer fremden, unverständlichen, gar rätselhaften Umgebung erst richtig zu Bewusstsein kommen…

Habe seit einiger Zeit den Eindruck, dass L. und ich das im Kleinen in einem einzigen Haus in der Version „Lost in Corona“ nachspielen. Sie ist 19 und arbeitet auf der Isolierstation, ich bin 47 und arbeite im ganzen Haus. Sie hat meistens Tagdienst, ich immer Nachtdienst jetzt häufig wieder in der 12 Stunden Variante. Wir haben uns ewig nicht gesehen, wir telefonieren nur lange, früh wenn sie kommt und abends wenn sie geht. Sie hält sich erstaunlich gut zwischen all dem Tod und Verderben. Zwischen L. und mir hat sich eine Vertrautheit entwickelt, die ich gar nicht für möglich gehalten hätte. Ihr Durchhalte- und Einfühlungsvermögen beeindrucken mich.

„Lost in Translation“ – ein schöner Film. Gute Szenen, Charaktere glaubhaft dargestellt, gelungene Improvisationen.

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