Von früher

Der ehemalige Polizist erzählt aus seinem Berufsleben, von haarsträubenden Verkehrsunfällen, von verbrannten und zerfetzten Menschen, in der Mitte durchgerissen, die Unterkörper noch auf den Vordersitzen der Autowracks, die Oberkörper auf der Rückbank. Von hirnlosem Rumficken und Saufen, um die Bilder aus dem Kopf zu bekommen, was nie funktioniert hat.

Eine Pracht

Vor ein paar Tagen ein Richtfest besucht. Eine neue Pflegefabrik ist im Entstehen. Ich bin gleich wieder ausgerissen, es ist nicht zum Aushalten. Diese jungen, schmucken Hipster in ihrer lächerlichen Künstlichkeit. Pflegemanager aus der Retorte, neunundneunzig Prozent Blingbling. Des Kaisers neue Kleider bis zum Erbrechen und kein Kind in Sicht.

Menschenliebe

Mit einer neu eingestellten Pflegerin unterhalten. Sie kommt aus dem Pflegeheim, in dem ich mich als Schnellschuss jüngst beworben hatte. Sie erzählt die üblichen finsteren Geschichten aus der Pflegebranche. Mein Bauchgefühl lag also richtig, als es mir eine Absage an diese Adresse empfahl. Überall derselbe Dreck. An meinen zynischen Tagen empfehle ich immer eine Neuauflage des T4-Programmes. Das wäre die ehrlichere Alternative. Aber das ist Hatespeech, so spricht man nicht. Gesellschaftlicher Konsens hingegen ist es, die alten, kranken Leute auf niedrigem Level bis zu ihrem Tod zu verwahren, das zu wenige Personal zu verschleißen, mit billiger Hinhalterhetorik bei der Stange zu halten und das ganze Elend mit humanistischem Geschwätz schönzureden.

Arbeitstier

Die Stelle, für die ich letzte Woche vorgesprochen habe, heute mit erlesenen Worten per Mail abgesagt. Man weiß ja nie, ob man sich nicht noch einmal begegnet. Dann als Fingerübung bei den Arbeitsagenten als arbeitssuchend registriert. Das wird lustig werden, jetzt scheißen die mich mit sinnlosen Angeboten zu, die ich alle ablehnen muss, weil sie so sinnlos sind.

Ansonsten Kopfschmerzen nach langer Nachtdienstsession. Therapieversuch: »Brügge sehen… und sterben?« Danach Kopfschmerzen noch stärker und hieronymusboschartige Träume.

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Fahrplan

Vorstellungstermin wahrgenommen. Interessantes Gespräch mit dem Heimleiter. Ich habe mir Zeit ausbedungen, natürlich. Aber im Grunde hätte ich gleich absagen können. Einige Aspekte sehr interessant, andere eher schlecht oder neutral zu bewerten. Die Gesamtrechnung geht nicht auf. Schade. Also zweigleisig weiter: Augen aufhalten nach dem Nonplusultra und derweil versuchen, den Spatz in der Hand fett zu füttern.

Rückruf

Eine Bewerbung rausgetan. Schnell digital zusammengefrickelt und abgeschickt. Einen Tag später schon eine Einladung zum Bewerbungsgespräch. Eigentlich keine Lust schon wieder einen Neuanfang hinzulegen. Ich bin müde und will meine Ruhe.