Gestern noch

Sitze auf einer sonnigen Wiese gegenüber dem Kohlberg zwischen alten, mürben Kuhfladen und letzten blühenden Maistöcken und Glockenblumen auf denen kleine Schmetterlinge turnen. Die Grillen geben ihr Abschiedskonzert, ein Bussard ruft, die Laubbäume sind gelb und rot und braun. Ich sauge die Landschaft in mich auf.

Über dem Revier hängt plötzlich Trompetenklang, an- und abschwellend, mal nah mal fern – nicht zu lokalisieren. Das soll dem Wild wohl anzeigen, dass wieder Jagdsaison ist. Ein aufgescheuchtes Reh hat am Erschossenwerden kein Interesse und läuft von den Feldern kommend über die Wiesen direkt auf mich zu. Es sieht mich nicht, dann plötzlich doch, es stutzt kurz, schlägt einen Haken und verschwindet mit einem Satz im Wald.

Spätsommer

Staubwolken über den Feldern, die Bauern scheppern mit ihren Traktoren eggend darüber hin. Der Sommer geht zu Ende. Mäuse machen sich unter Feldhecken zu schaffen, werden von mir aufgeschreckt und kreuzen über den Weg. Dieses Jahr ein Mausjahr?

Ich mag den Spätsommer und den Herbst, wenn es wieder stiller wird, die Tage noch warm sind und frisch schon die Abende. Ziehe mich dann gern auf einen Höhenzug zurück und sehe der Sonne beim Untergehen zu und wie sich die Täler mit Schatten füllen, bis nur noch ich auf meiner Höhe im letzten Sonnenlicht sitze.

Herbstspaziergang

Gestern im Nebel wie ein junger Hund gefroren, wegen ganz und gar unangepasster Kleidung. Heute dafür in Winteruniform die Sonne genossen. Unter Bäumen und Büschen knisterten Tropfen, die von selbigen fielen; die Sonne verflüssigte angestrengt den von Nebel und Frost dort angebrachten Reif. Mehrere Krähen kommentierten den Vorgang. Ein Bauer auf seinem alten Traktor versuchte einen Hänger mit Grünzeug abzukippen. Es ging nicht – angefroren. Die Kuhfladen auf der Weide waren es auch, außen fest und knackig, innen weich wie Pralinen. Nur ein ganz kleiner Wermutstropfen.

Waldteich

Mitten im Wald ein kleiner sonnenbeschienener Teich. Drei Enten schwimmen auf und ab, wenn sie sich nicht auf Baumstämmen sonnen. In kleinen Senken am Ufer steht Wasser. Darin grauweiße Wolken von Krötenlaich, angeheftet an ins Wasser ragende Pflanzen. In den Eiern kleine schwarze Punkte, die neuen Kröten. Ein Wasserkäfer sieht sich die Sache genauer an.

Exposition

Bevorzuge an kalten und sonnigen Wintertagen wie gestern und heute bei Aufenthalten im Freien ganz eindeutig Südlagen. Dort knistert und knastert der Wald so schön im Sonnenschein, es tropft von den Bäumen und die Vögel üben schon mal für den Frühling.
(Bin leider hingefallen beim Versuch sie zu beobachten – noch reichlich Restschnee und Eis.)