Arbeit

»Die Krankheiten entstehen dort, wo die Menschen nicht ausgelastet sind, zuwenig beschäftigt sind, nicht über zuviel Beschäftigung sollten sie klagen, sondern über zuwenig, die Beschäftigung wird eingeschränkt, und die Krankheiten breiten sich aus, das Unglück erfaßt alle, wo die Arbeit und die Beschäftigung eingeschränkt werden. Insoferne hat die Arbeit, an sich sinnlos, ihren Sinn, ihren ureigentlichen Zweck.«

Thomas Bernhard, Der Keller

Oktober 1944

Eindrücklich die Schilderung des katholisch verdrucksten Milieus Salzburgs, der Existenzbedingungen – Lebensbedingungen will man es nicht nennen – in der nationalsozialistischen Lehranstalt dort, der ersten Bombenangriffe auf die Stadt, die bisher verschont wurde und die Veränderungen des Jungen unter diesen Eindrücken:

»Auf dem Weg in die Gstättengasse war ich auf dem Gehsteig, vor der Bürgerspitalskirche, auf einen weichen Gegenstand getreten, und ich glaubte, es handle sich, wie ich auf den Gegenstand schaute, um eine Puppenhand, auch meine Mitschüler hatten geglaubt, es handelte sich um eine Puppenhand, aber es war eine von einem Kind abgerissene Kinderhand gewesen. Erst beim Anblick der Kinderhand war dieser erste Bombenangriff amerikanischer Flugzeuge auf meine Heimatstadt urplötzlich aus einer den Knaben, der ich gewesen war, in einen Fieberzustand versetzenden Sensation zu einem grauenhaften Eingriff der Gewalt und zur Katastrophe geworden.«

Thomas Bernhard, Die Ursache

Aufnahmefähigkeit

Die große Thomas Bernhard Ermüdung ist vorbei. Es folgt »Die Ursache« und dann die anderen sogenannten autobiographischen Schriften. Gleich wieder großer Furor:

»Der ausgehende Herbst und das in Fäulnis und Fieber eingetretene Frühjahr haben immer ihre Opfer gefordert, hier mehr als anderswo in der Welt, und die für den Selbstmord Anfälligsten sind die jungen, die von ihren Erzeugern und anderen Erziehern alleingelassenen jungen Menschen, lernenden und studierenden und tatsächlich immer nur in Selbstauslöschung und Selbstvernichtung meditierenden, für welche einfach noch alles die Wahrheit und die Wirklichkeit ist und die in dieser Wahrheit und Wirklichkeit als einer einzigen Fürchterlichkeit scheitern.«

Thomas Bernhard, Die Ursache

Lektüre

Von Bernhard erst einmal genug. Er wurde mir zuletzt etwas zu sperrig. Also mit der Gesamtausgabe von Herrndorf begonnen. »In Plüschgewittern« liest sich flüssig, haut mich aber bis jetzt nicht um. Doch für einen Erstling nicht schlecht, man spürt das Potential. Ansonsten schlafe ich viel und werde trotzdem immer müder.