Verschwörung

„Die Jesuiten hatten begriffen, was die beste Methode ist, um einen Gegner zu destabilisieren: Geheimsekten gründen, warten, daß die gefährlichen Enthusiasten hineinströmen, und sie dann alle verhaften. Anders gesagt: Wer eine Verschwörung fürchtet, organisiere sie selber, so bekommt er alle potentiellen Verschwörer unter seine Kontrolle.“

Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel

Funktionierte obiger Text auch, ersetzte man »Jesuiten« durch »Verfassungsschutz«? Nur bedingt, denn der Verfassungsschutz hätte nichts unter Kontrolle und es klappte auch mit dem Verhaften nicht.

Panik auf Standby

L. ist wieder da. Aufgedunsen im Gesicht und von aufgesetzter Fröhlichkeit. Sie überbrückt die Zeit bis zum Beginn der neuen Psychotherapie mit arbeiten gehen – wegen der Tagesstrukturierung, sagt sie. Vielleicht ist es auch eine selbstgebaute Konfrontationstherapie. Wenigstens ihren Möpsen geht es gut.

Ansteckung

„Unter den Diabolikern bewegte ich mich inzwischen mit der Unbefangenheit eines Psychiaters, der seinen Patienten zugetan ist und die Brisen balsamisch findet, die durch den weiten Park seiner Privatklinik wehen. Nach einer Weile beginnt er, Texte über den Wahn zu schreiben, dann wahnhafte Texte. Er merkt nicht, daß seine Kranken ihn angesteckt haben – er glaubt, er wäre ein Künstler geworden.“

Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel

Bamako-Havanna

Nachts ein wirrer Traum: Ich kaufte, mit reichlich Gepäck beladen, in einem kleinen Ramschladen drei alte baugleiche Kameras bei einer jungen blonden Verkäuferin. Dann ging ich über eine große steinerne Brücke, die Altstadt Dresdens im Rücken. Auf der anderen Flußseite lag Bamako, das ein karibisches Flair hatte und ein wenig wie Havanna aussah.

Auf der Mitte der Brücke überholte mich die junge blonde Verkäuferin. Sie trug einen großen Blumentopf mit einer Art Palme darin und blieb plötzlich stehen als die Pflanze umknickte. Ich half ihr beim Aufrichten der Palme und beim Tragen. Auf der anderen Seite hielt sie ein paar Autos an, große alte Straßenkreuzer, und sprach mit den Fahrern. Ich lehnte am Geländer und betrachtete die Stadt, die Bamako war oder Havanna und in einem milden abendlichen Sonnenlicht lag.

Sterben

Die Frau kämpfte die ganze Nacht. Gegen Morgen ging es dem Ende entgegen. Sie hielt durch bis ihre Tochter eintraf und dann noch erstaunliche anderthalb Stunden. Das Sterben ist mir ein Mysterium, geheimnisvoll und faszinierend. Man muss keine Angst davor haben. Ich habe keine religiösen Vorstellungen und keine wissenschaftlichen Erklärungen, doch meine Vernunft sagt mir, dass die Natur im Verlaufe der Evolution Mechanismen entwickelt haben muss, die das natürliche Sterben zumindest erträglich gestalten.