Geht so

Die Klinik will Geld von mir und schickt mir freundliche Schreiben: »… Ich bitte Sie den Betrag bis zum … zu überweisen.« Was H. von mir will geht auf gar keine Kuhhaut. Die feuchte Hitze geht mir auf den Sack. Ich habe mindestens einen Todeskandidaten und einen Haufen schreiende, schwitzende und scheißende Irre dazu. Entweder man bekommt Allmachtsphantasien oder einen Überforderungskollaps. Ich tendiere im Moment zur Allmacht und ich habe noch nicht einmal mit dem Trinken begonnen.

Mal festgehalten

Ich fühle mich wohl alleine, jedenfalls die meiste Zeit. In einer wie auch immer gearteten Beziehung brauchte ich eine Freiheit, die dem anderen fast nicht zuzumuten ist. Ich brauche eine ganz lange Leine, am besten eine, die ich gar nicht spüre. Und nicht etwa, um ungestört mit anderen Frauen herum machen zu können. Mich emotional unter Druck zu setzen ist eine ganz schlechte Idee.

Zwischenmenschliches

Schwierigkeiten in der Kommunikation mit einem Kinde einer jungen Frau. H. ist ein hübsches Mädchen, sie hat braune Augen [sic], ist aufgeweckt, etwas wirr vielleicht, ein liebenswertes Wesen und zwanzig Jahre alt. Sie schreibt mir immer zutraulichere SMS in einer unglaublichen Frequenz, sie will ihre Dienste tauschen, so dass sie öfter mit mir zusammen sein kann usw. usf. Ich fühle mich geschmeichelt, natürlich, ich bin einundvierzig und ein junges Mädchen läuft mir hinterher. Sie macht mich langsam verrückt, ich beginne sogar auf ihren Freund eifersüchtig zu werden … Vollkommen absurd.

Sommerfest

Auf einem Sommerfest des Pflegeheimes lange am Eingang des Festzeltes gestanden und mit dem Rehäuglein unterhalten und auch mit H., die Spätdienst hatte und wegen des langen Quatschens mit dem Rehäuglein und mir prompt einen Anschiss bekam.

Mir sind solche Feste immer unendlich peinlich und die auftretenden halbseidenen Künstler tun mir leid. Sie haben meist kein dankbares Publikum oder eines, dass Dankbarkeit nicht zeigen kann oder will und im Übrigen fast vollkommen verrückt oder bereits halbtot ist. Es stiert und sabbert vor sich hin, gibt Tierlaute von sich oder versucht davonzulaufen, wenn die Fähigkeiten dafür noch ausreichen sollten. Es bleibt beim Versuch. Flüchtige werden eingefangen und wieder platziert oder nach erneuten Fluchtversuchen endlich doch geordnet abgeführt.

Und ich eigne mich nicht zum Einpeitscher und Stimmungskanonier, mir ist das alles unendlich peinlich. Ich bin dieses Mal, obwohl ich frei hatte, nur gekommen, um das Rehäuglein zu sehen, welches sich dort unbedingt zeigen wollte. So standen wir die ganze Zeit zusammen und redeten und zogen Unmut auf uns und gaben dem Gerücht, eine Affäre zu haben, weiter Nahrung.