Wilde Tiere

Die Luchse wurden angesiedelt, die Wölfe kamen von alleine zurück und in letzter Zeit auch immer mal ein Elch. Vor ein paar Jahren verunglückte einer beim Sprung über einen Eisenzaun in Dresden leider tödlich, der vorletzte hinterließ im Erzgebirge nur ein paar Spuren im Schnee und verschwand wieder in unbekannte Richtung.

Der vorerst letzte Elch wurde vor ein paar Tagen bei Siemens vom Flur geholt (Link) und nach Ostsachsen gebracht. Ich freue mich, dass bei solchen verirrten Tieren zuerst an Betäubung und Umsiedlung gedacht wird und nicht sofort ans totschießen.

Sommer adé

Die ausgedehnten Buchenbestände des Weicholdswaldes im oberen Osterzgebirge färben sich schon langsam gelb. Zwischen den einzelnen Schauern aus Nordwest scheint immer wieder für längere Zeit die Sonne und läßt die gelben Blätter leuchten. Auch unsere alte Linde im Garten in viel tieferer Lage weist im »Unterfell« bereits zahlreiche Gelblinge auf.

Unverständnis

Gestern endlich wieder einmal zum Fotografieren gekommen. Dabei muss alles passen: das Motiv, das Licht, meine Konzentration. Und die Konzentration fehlte in letzter Zeit häufig. Seit ein paar Tagen herrscht nun Funkstille zwischen H. und mir. Fast bin ich froh darüber. Sie wollte bei mir schlafen und das ertrage ich nicht.

Nun ist sie beleidigt wegen meiner Zurückweisung. Sie glaubt offensichtlich, ihre Eröffnung müsste das Größte für einen Mann sein und er kann nun gar nicht anders als glücklich sein. Mir hingegen stellen sich dabei die Nackenhaare auf. Meine Wohnung ist mein Rückzugsort von der Welt. Es reicht, wenn ich draußen die gesellschaftlich notwendige Farce mitspiele, hier drinnen ist mein Reservat. Wer da eindringen will, braucht einen sehr, sehr langen Atem.

Absetzfällung

Den Tod der Blaufichte neben dem Haus beschlossen. Im Oktober muss sie sterben. Sie schubbert am Haus und der Dachrinne, nadelt sie voll, harzt aus kleinen und größeren Wunden und heult und faucht unheimlich im Sturme. Auf den Stumpf kommt ein Blumentopf und im Winter ein Vogelhäuschen. Vielleicht pflanzen wir auch einen schönen Strauch an diese Stelle. Mickrige Ersatzmaßnahmen.

Instinktsicher

Vor dem Pflegeheim parkt das offene Luxuscabrio eines der Geschäftsführer und glänzt in der Sonne. Man möchte den prekär Beschäftigten einmal zeigen, dass Gemeinnützigkeit eine gute Sache ist und den Insassen, wofür ihre tausend und mehr Euro Eigenanteil im Monat so verwandt werden – nehme ich an. Wirklich eine gute Sache finde ich.

Entdeckungen

Im Wald nach ewigem Suchen eher zufällig zwei alte, madige Pilze im Unterholz gefunden und zum Aussporen an dünne Äste umliegender Bäume gespießt. Weit abseits des Weges dann eine in die Krautschicht eingefilzte aufrecht stehende Kloschüssel. Wieder auf dem Wege eine kleine Ringelnatter – platt gefahren. Deutlich die gelben Halbmonde am Kopf.

H.

Der Versuch, die Sache mit H. doch noch im Keim zu ersticken, ist vollkommen misslungen. Ich habe mich um Kopf und Kragen geredet, es hat alles nichts genützt. Mit Erstaunen muss ich zur Kenntnis nehmen nun eine zwanzigjährige Geliebte zu haben. Die einzige gemeinsame Basis vom Beruf einmal abgesehen ist Sex. Dabei ist mir der gar nicht so wichtig. Aber auch das versteht sie nicht. Ich weiß nicht welchen Narren sie an mir gefressen hat. Es ist mir vollkommen unbegreiflich.

Ich höre auf darüber nachzudenken und nehme es einfach wie es ist. Das Spiel wird sich irgendwann totlaufen; sie wird das Interesse verlieren und mir wird es nicht besonders nahe gehen. Aber bis es so weit ist spiele ich meine Rolle. Das Klischee ist vollkommen. Ich will auch nicht undankbar sein, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir noch einmal im Leben eine so junge, vollkommen enthemmte Gespielin einfach so in den Schoß fällt? Gespräche und geistige Nähe sind auch nicht alles.