Nicht nur müde

Einzelgängerisches Verhalten scheint zunehmend als protofaschistisch zu gelten. Ich freue mich also mitteilen zu dürfen, dass ich mich morgen seit längerer Zeit wieder einmal mit N. (einer Frau!) treffe. Das letzte Mal hatte sich aus persönlichen Gründen zerschlagen.

Seit einiger Zeit verspüre ich wenig Drang etwas zu schreiben auch zum Fotografieren komme ich kaum. Ich bin erschöpft, das kann man so sagen. Das hysterische gesellschaftliche Klima ist auch nicht förderlich. Eine tiefe und langanhaltende Spaltung Deutschlands kann man nur konstatieren.

Hundfund

Gestern ist mir bei Althirschstein an der Elbe ein Hund zugelaufen – irgendeine Setter Variante. Sehr gepflegt und mit Halsband. Schnell wurden wir Freunde. Wir gingen eine Weile spazieren, dabei erntete ich vorwurfsvolle Blicke, weil ich meinen neuen Hund nicht angeleint hatte. Nicht meine Schuld, eine Leine hatte er in unsere Beziehung nicht mit eingebracht. Später gab ich ihn an ein Pferdemädchen weiter.

Trassenspaziergang

Gestern entlang einer Eisenbahnstrecke gewandert. Nicht irgendeiner, sondern bei Oberau an der ersten deutschen Fernbahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden, die 1839 eröffnet wurde und noch heute genutzt wird. Im Zuge dieses Streckenbaues wurde bei Oberau von Freiberger Bergleuten ein Tunnel gebohrt – auch etwas Besonderes. Durch notwendige Erweiterungen der Strecke musste der Tunnel in den 1930’er Jahren abgebrochen werden. Aus den Portalresten hat man am ehemaligen Standort ein Tunneldenkmal errichtet.

Ruhe

Vorgestern zufällig nach der Besichtigung des Oberauer Wasserschlosses in der Nähe des Waldbades auf einen Friedwald gestoßen. Das Konzept gefällt mir sehr in einer hölzernen Urne am Fuße eines Baumes im Wald beerdigt zu werden. Ab und zu kommt mal ein Eichhörnchen vorbei oder ein Trupp Wildschweine und leistet Gesellschaft.

Gestern dann auf den Höhen bei Zadel herumgewandert. In den Weinbergen finden die Winterarbeiten statt. Später den Sonnenuntergang beobachtet, das Elbtal unten lag schon in tiefem Schatten. Der Riese hat wieder die Mutter berührt und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Gedankenspiel

Um mit Kofler, dem Arzt aus dem März Roman von Heinar Kipphardt, zu sprechen habe ich die Technik vervollkommnet, gefürchtete Gedanken nicht zu mir hereinzulassen. Sich also zum Beispiel mit anderen Dingen abzulenken. Schöne mechanische Uhren eignen sich dazu ganz hervorragend. Im Moment gefallen mir besonders die Union Viro Datum und die kleine Nomos Orion jeweils aus Glashütte. Beides sehr schlichte, ausgewogene und elegante Uhren. Mehr Schmuck braucht kein Mann.