Ausguck

Mit der schönen A. den Sonnenaufgang vom Dach beobachtet. Dabei kurzer Exkurs meinerseits über Wolkenformationen unter besonderer Berücksichtigung der festgestellten Ausprägung der Cirruswolken und deren Aussagekraft hinsichtlich eines bevorstehenden Wetterumschwunges. In einer anderen Nacht von diesem Aussichtspunkt die Explosionen, den Feuerschein, das Geschrei der Anwohner und schließlich das Eintreffen der Feuerwehr im etwas entfernten Wohngebiet verfolgt.

Nachtdienst

Dauernachtdienst ist genau mein Ding. Er entspricht auf ideale Weise meinem „Krankheitsbild“, meinem übertrieben einzelgängerischen Wesen. Sich lieber in die Nacht zu flüchten als sich den sozialen Ansprüchen des Alltages auszusetzen, der mir nur unnötig Kraft raubt, ist der passende Lösungsansatz. Eines normalen Soziallebens unfähig ist das die konsequente Existenzform für mich. Das Zusammensein mit mehr als einer Person strengt mich unglaublich an. Mit Einzelnen hingegen ist das meist wunderbar. Gerade eben erst nacheinander mit zwei schönen und interessanten Frauen die Nachtdienste verbracht. Sie erzählen gerne, ich höre gerne zu. Ideal.

Begegnungen

Eine Frau mittleren Alters, irritierend jung aussehend, psychisch extrem labil, manische und depressive Phasen im Stundentakt. Unglaublich anhänglich und nervenaufreibend. Kleinkind und erwachsene Frau in einem. Ratlosigkeit meinerseits den richtigen Umgangston betreffend.

Ein Mann erzählt begeistert von seiner Beschäftigung in einer geschützten Werkstatt, von den Freunden, die er dort gefunden hat, von der Arbeit, die ihm Spaß macht. Er weiß noch nichts davon, dass die Kasse dem bald ein Ende machen wird – aus Kostengründen.

Himmelweiter Unterschied

Der Sternenhimmel ist vom Dach des aktuellen Etablissements nicht so schön anzusehen wie von der Terrasse der alten Pflegefabrik, matt und diffus. Nur die hellsten Sterne kommen durch. Die Milchstraße ist nicht zu sehen, die Lichter der Großstadt sind zu nah. Gesellschaft leistet mir dort oben ein leicht verwahrloster Schizophrener, der nie schläft. Mit den Verrückten verstehe ich mich immer ausgezeichnet. Ich teile mit ihnen die Vermutung, dass die anderen, die sich für normal halten, die eigentlich Gestörten sein müssen.