Brand

Gegen Mitternacht heult die Sirene. Ich warte darauf, dass einige Vertreter der Weltkrieg-II-Generation aus ihren Zimmern gekrochen kommen, um sich in den Luftschutzkeller zu flüchten. Niemand kommt heraus. Nur eine Frau fragt beim Rundgang, wo es brennen würde. Keine Ahnung. Später sehe ich keine 100 Meter neben dem Heim die Flammen lodern. Ein Schuppen fackelt ab. Morgens ab fünf Uhr singt wunderbar die Nachtigall vor meinem Dienstzimmer.

Albtraum

„Die kurze Zeit der Gunst war vorüber; nun zählte ich mit Kurtz zu den Fürsprechern von Methoden, für die die Zeit noch nicht reif war. Unseriös. Aber das war doch etwas, wenn man sich seinen Albtraum wenigstens selbst aussuchen konnte.
[…]
Ich verriet Mister Kurtz nicht – ich hatte versprochen, ihn niemals zu verraten –, ich hatte mir meinen Albtraum ausgesucht, und nun würde ich auch dazu stehen. Mir lag viel daran, dass ich allein mit diesem Schatten fertig wurde, und bis heute weiß ich nicht, warum ich so eifersüchtig darauf bedacht war, die ganz besondere Schwärze dieser Erfahrung mit keinem anderen zu teilen.“

Joseph Conrad, Herz der Finsternis

Alltag

L. trägt immer eine Notfalltüte mit sich herum, um bei auftretenden Panikattacken mit Hyperventilation gerüstet zu sein. Bereits leichte Nervosität, wenn sie diese beim ersten Kontrollgriff nicht sofort findet. S. wurde wieder mit mehr als 2 ‰ Alkohol im Blut erwischt, mittags. Frühdienst bis dahin gut gemeistert. H. will sich woanders bewerben. Hat die Nase voll von endlosen Überstunden und der ewigen Einspringerei.

Zu spät

Den Besuch der Ausstellung »Silberrausch und Berggeschrey« in Dippoldiswalde, welche die bisherigen Ergebnisse des ArchaeoMontan-Projektes zum mittelalterlichen Bergbau im sächsischen und böhmischen Erzgebirge vorstellt, ursprünglich ganz fest vorgenommen. Doch erst war noch so viel Zeit, dann war das Wetter zu schön, dann hatte ich keine Zeit, dann war wieder das Wetter zu schön und dann war es plötzlich zu spät. Deshalb freue ich mich, dass ich mir wenigstens den wunderbaren Begleitband zur Ausstellung gesichert habe, der nun auch schon wieder vergriffen ist.

Korrekte Geschäfte

„Er wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Der Lärm draußen war verstummt, und als ich bald darauf ging, blieb ich in der Tür noch einmal stehen. Von Fliegen umsummt, fiebernd, bewusstlos lag der heimgekehrte Agent auf seinem Lager; der andere, über die Bücher gebeugt, machte korrekte Eintragungen über absolut korrekte Geschäfte; und fünfzig Fuß hügelabwärts sah ich die reglosen Baumkronen im Hain des Todes.“

Joseph Conrad, Herz der Finsternis

Nacht

Eine der schlimmsten Nachtdienstsessions seit langer Zeit. Verschiedene Zutaten trugen dazu bei. Die bemerkenswerteste: Gastroenteritis, die durch das Haus galoppierte. Am Ende auch selbst betroffen. Das Kotzen und Scheißen ist das eine, die Folgen viel gravierender. Man muss sich nach 5 Schritten hinsetzen, weil der Kreislauf durch den Flüssigkeitsverlust vollkommen am Boden ist. Und die Arbeit wird immer mehr, die Zeit scheint stehenzubleiben.
Bisher ist Herr H. (Link) nicht betroffen. Falls es ihn erwischt, kann es sein Ende sein und kein Schönes. Man muss sich das vorstellen, vollkommen gelähmt, nur der Kopf etwas beweglich, Hilfe nur mittels Sprachsteuerung über Telefon rufbar – unmöglich mit einem Mund voll Kotze. Er erstickt bei vollem Bewusstsein.