Haudrauf

Nachts Migräne. Beim Umdrehen im Bett ist höchste Vorsicht geboten sonst schlägt mir ein unsichtbarer Grobian mit seinem Vorschlaghammer besonders hart auf den Schädel, sodass es minutenlang nachhallt. Wenn der Gong im Kopf langsam abebbt, ist es inzwischen Zeit, sich wieder umzudrehen und das Spiel beginnt von vorn. Gegen Morgen lässt die Intensität nach, wahrscheinlich wird der Grobian langsam müde. Am Vormittag Erschöpfung aber auch große Klarheit im Kopf.

Beobachtungen an der Elbe

Es ist unglaublich heiß. Eine Schafherde weidet auf den Elbwiesen an der Niederwarthaer Eisenbahnbrücke. Einige Tiere fressen, die meisten haben sich vor der Hitze in die Schatten der Pfeiler zurückgezogen und liegen wie tot, nur die Ohren wackeln manchmal. Vor allem die halbwüchsigen Lämmer untersuchen das Flussufer, schnuppern an den Steinen und scheinen sich über das fließende Wasser zu freuen. Sie springen ungelenk herum und blöken, die Alten blöken aus dem Schatten zurück. Hundebesitzer fahren mit ihren Autos soweit sie an den Fluss herankommen und laden ihre Hunde aus. Dann strenge Arbeitsteilung. Die Besitzer der Tiere beginnen Stöckchen und Bälle in den Fluss zu werfen, die Hunde holen sie wieder heraus. Am anderen Ufer baden Mädchen mit ihren Pferden. Sie reiten in den Fluss hinein, gleiten von den Rücken der Pferde und schwimmen mit ihnen wieder ans Ufer zurück. Und dann alles wieder von vorn. Eine Familie Nilgänse schwimmt ungeniert auf dem falschen Fluss.

Zwischen Dresden und Meißen

In den letzten Tagen unterwegs im sächsischen Elbland und dem Meißner Hochland. Von mir längere Zeit vernachlässigte Landstriche. Am Ufer der Elbe entlang, die links- und rechtselbischen dicht bewaldete Täler hinauf. Oben auf den lößbeeinflussten Hochflächen kleine Dörfer und landwirtschaftliche Flächen. Die Südhänge mit Wein bebaut. In den letzten Jahren wurde viele Flächen wieder aufgerebt. Wieder hinunter an die Elbe, die Niedrigwasser führt. Große Fische springen, kleine Fische wimmeln im warmen, flachen Uferwasser, Frösche quaken und Grillen zirpen. Kaum ein Schiff unterwegs, nur ein paar Ruderer vom Meißner Ruderclub. Überhaupt Meißen, der Fluß, der Dom, die merkwürdigen Einwohner.