Wasserstandsmeldungen

Haben jetzt eine Isolierstation – ist schon voll. Im Haus tauchen immer wieder Infizierte auf unter den Bewohnern und unter dem Personal. Ein Muster ist nicht zu erkennen. Montag wieder einmal ein PCR-Test für das Personal, der vierte in meinem Fall und bisher alle negativ. Falls positiv und man nicht krank ist, darf man auf der Isolierstation weiter arbeiten. Häusliche Absonderung ist für Pussies. Realistisch gesehen ist ein Bewohner an den Folgen der Infektion gestorben, hohes Fieber, Lungenentzündung, tot. Die anderen sind einfach so gestorben, die Vereinsamung wird ihren Teil dazu beigetragen haben und das die Krankenhäuser in diesen Zeiten nicht auf alte, multimorbide Leute warten, um Diagnostik wie aus dem Lehrbuch zu betreiben. Bleiben also meist in der Einrichtung, gucken die Wand an und – hoppla – manchmal ziehen sie den kürzeren.

Aus dem Weinberg

Heute wärmer als gestern. Sitze deshalb im Weinberg und genieße die Sonne, die sich unten im Elbestrom spiegelt. Nur der ruppige Wind stört etwas. Im Weinberg hantiert ein alter Zausel und über mir fliegen Gänsekeile, wie es scheint, etwas orientierungslos umher. Der Herbst ist mir die liebste Jahreszeit. Aus Westen nähert sich langsam eine Wolkenbank. Bald ist es aus mit der Sonnerei.

Wackerbarth

Im Barockgarten Zabeltitz. Es ist windig und kalt. Von den Bäumen segeln die letzten Blätter. Das Barockpalais erscheint merkwürdig steril, viel erdverbundener dagegen das Alte Schloss. Im Inselteich machen Trauerschwäne die Runde. Zwei Männer setzen eine Familie Schwarzhalsschwäne in den Flaschenteich aus und fahren in ihrem Auto davon.

Risikogruppe, basta!

Der Heiminsasse von heute muss geschützt werden! Einmal vor Zeugen gehustet und zack: Stubenarrest. Da können sie noch so lamentieren, die alten Leute, dass sie doch seit Jahren schon chronische Bronchitis oder sich gar nur an einem Krümel verschluckt hätten. Alles Schutzbehauptungen! Es ist COVID19! Immer! Meistens! Manchmal! Egal! Alle müssen geschützt werden ob sie wollen oder nicht. Sonstige sekundären Grundrechte haben da zurückzustehen. Muss man doch einsehen, will man kein hysterischer Coronaleugner sein.

Wer braucht schon Leser

Ich war nie Abonnent der FAZ aber was dieser ehemalige Leser in seinem Offenen Brief zur Kündigung des seinigen schreibt, trifft genau mein Unbehagen, dass in diesem Land etwas langsam aber sicher vollkommen aus dem Ruder läuft. Und auf die Qualitätspresse als Aufklärer oder gar Ankläger kann man auch nicht mehr zählen, wenn es denn je so war. Lesenswert.

Kulturpessimistischer Einwurf

Höre mit Begeisterung Tschaikowskis Violinkonzert D-Dur op. 35 mit der fantastischen Alena Baeva. Es gibt wenig was mich emotional anspricht, dieses Stück gehört dazu. Werke von solcher Schöpfungshöhe in unserer heutigen kulturellen Niedergangsphase zu schaffen, halte ich für unmöglich. Vielleicht sehr viel später einmal wieder, vielleicht nie mehr.

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