Parallelen

Der Kunstmaler Strauch aus Bernhards »Frost« erinnert mich in seinen Äußerungen an den Dichter März aus Kipphardts »März«. Der Dichter schizophren, der Maler in minderem Maße wahrscheinlich auch, vor allem depressiv. Die Verrückten sind die Hofnarren unserer Zeit. Sie dürfen – allerdings nicht ungestraft, sondern bei Strafe einer medizinischen Behandlung – der Gesellschaft unbequeme Aussagen an den Kopf werfen.

Alleinsein

„›Die Menschen, die einen neuen Menschen machen, nehmen doch eine ungeheure Verantwortung auf sich. Alles unerfüllbar. Hoffnungslos. Das ist ein großes Verbrechen, einen Menschen zu machen, von dem man weiß, daß er unglücklich sein wird, wenigstens irgendwann einmal unglücklich sein wird. Das Unglück, das einen Augenblick lang existiert, ist das ganze Unglück. Ein Alleinsein erzeugen, weil man nicht mehr allein sein will, das ist verbrecherisch.‹“

Thomas Bernhard, Frost

Aquarium

Der reichlich gefallene Regen hat ein weiteres Mal den rechten Scheinwerfer meines alten Autos unter Wasser gesetzt. Heute habe ich ihn endlich auf bewährte Weise, abwechselnd mit Föhn und Staubsauger, wieder trocken gelegt. Die Bauarbeiter vor dem Haus, denen wir ein paar Eimer Wasser für ihre Bauarbeiten spendierten, kommentierten mein Tun verwundert, im Grundtenor aber anerkennend.

Folgerichtigkeit

„›Meine Zeit ist vergangen, so wie eine Zeit vergeht, die man nicht haben will. Ja, ich habe meine Zeit nie haben wollen. Die Krankheit ist die Folge der Interesselosigkeit an meiner Zeit, der Interesselosigkeit, der Arbeitslosigkeit, der Unzufriedenheit. Die Krankheit ist ja gerade da aufgetreten, wo nichts mehr war … meine Untersuchungen sind stehengeblieben, auf einmal habe ich gesehen: nein, diese Mauer übersteige ich nicht! Das war so: ich mußte einen Weg finden, den ich noch nicht gegangen bin … Die Nächte waren schlaflos, stumpf, grau … manchmal bin ich aufgesprungen: und sah langsam alles Erdachte falsch werden, wertlos werden, alles wurde nacheinander, folgerichtig, wissen Sie, sinn- und zwecklos … Und ich entdeckte, daß die Umgebung nicht haben will, daß man sie aufklärt.‹“

Thomas Bernhard, Frost

Regenwetter

Ein signalfarben gekleideter Bauarbeiter versucht einen kleinen wasserabweisenden Damm aus Lehm um die vor dem Haus liegende Baugrube zu bauen. Der Regen soll noch einmal zulegen. Man spricht von möglichen lokalen Überflutungen und Erdrutschen. Ich kämpfe fürs Erste nur mit migräneartigem Kopfschmerz, einer inneren Naturgewalt, die von der äußeren zumindest initiiert wird, später bis tief in die Nacht hinein mit renitenten Insassen der Pflegefabrik und wie gehabt mit dem Dasein an sich.

Leicht kreuzlahm

Termin bei einer bärbeißigen Orthopädin. Ich versuche, die aus meinem Bewusstsein verdrängten Probleme zunächst einmal mir selbst wieder klar zu machen und sie dann der Ärztin plausibel mitzuteilen. Das ist ein Kraftakt für mich und erhöht nicht gerade meine Glaubwürdigkeit. Ich komme mir wie ein Hypochonder vor. Anschließend drückt die Ärztin ein bisschen an mir herum, bewegt einige Gelenke hin und her und lässt mich dann röntgen – LWS in zwei Ebenen. Eine ISG-Blockierung, meint die Ärztin als sie die Bilder sieht und verschreibt mir ein paar Behandlungen »Manuelle Therapie«. Die ISG-Blockierung sei bei Physiotherapeuten beliebt, sagt sie.