Foto

Das neu angefertigte Foto von H., welches für die Mitarbeitertafel erstellt wurde, habe ich in der Nacht gestohlen. H. wird kündigen und der Arbeitgeber braucht es nicht mehr, ich aber dringend noch ein Andenken. Am Morgen dann ein bisschen harmloses Herumgealber. Es schmeckt schon alles sehr nach Abschied.

Beobachtungen

Auf der Dachterrasse der Pflegefabrik: Erst eine Sternschnuppe, dann ein unbekanntes Flugobjekt sehr hoch von Nord nach Süd und 3:20 Uhr, wie es in der Zeitung stand, die ISS mittelhoch von West kommend in den schon langsam hell werdenden Osthimmel fliegend. Am Tag darauf 4:08 Uhr nochmals die ISS auf gleichem Kurs, doch etwas höher und der Osthimmel schon sehr viel heller.
Kurz nach 5:00 Uhr am Bach vor dem Haus ein Graureiher. Wir sehen uns kurz an, keine drei Meter voneinander entfernt. Dann fliegt er auf und flussaufwärts davon, ich gehe ins Haus zurück, das mir noch für eine knappe Stunde allein gehört.

Kriegsende

Mitte April 1945 startet ein Flugzeug vom Flughafen Klotzsche, Kurs Westen. An Bord zwei Unteroffiziere, ein Gefreiter und drei Luftwaffenhelferinnen. Die Maschine kommt nicht weit, bereits über Freital in Brand geschossen, schafft sie es noch über den Windberg und stürzt ins benachbarte Poisental. Alle Insassen tot. Und da hört es mit den Fakten schon auf und die Spekulation setzt ein, man munkelt von Desertion. Was steckt dahinter? Ein mysteriöser letzter Auftrag? Eine oder mehrere große Liebesgeschichten? Reiner Überlebenswillen, einfach nicht mit dem tausendjährigen Reich sterben wollen? Man könnte einen hollywoodesken Plot daraus weben.

Resümee

H. wurde von ihrem Freund von der Arbeit abgeholt. Ein ruhiger, fast schon sympathischer Mensch. Kurz kommt das Gespräch auf das Thema Asylbewerber. Angenehm differenzierte Position in all der stumpfen Ablehnung. H. lässt sich im Übrigen nicht von seiner Anwesenheit stören und schäkert unbeirrt. Dabei glaube ich sofort, dass sie ihn liebt. In Anbetracht der flatterhaften H., mit der ich nurmehr freundschaftlich verbunden bin, wächst der Wunsch nach einer wirklichen Gefährtin. Wenn nur nicht die alles überschattende Müdigkeit wäre, die mir gerade noch soviel Kraft lässt, mich an den Status quo zu krallen. Keine Kapazitäten für Offensiven mehr.

Lachen

Böse aneinander geraten mit den Chefdarstellern in der Pflegefabrik. Dabei habe ich gar keine Kraft für solche Einsätze. Es ändert nichts, es ist Zeit- und Kraftverschwendung. Nicht nur wimmelt es in den unteren Rängen an psychisch Auffälligen, zu denen auch ich mich zähle, an Trinkern und Ausgebrannten; es wird noch schlimmer je höher man kommt. Das Soziale scheint die Dissozialen anzuziehen wie die Scheiße die Fliegen. Wenn es wenigstens Führernaturen wären! Aber es sind nur lächerliche Shareholdervalue-Pfleger, die einem auswendig gelernte Textbausteine vom armen, alten und kranken Menschen aufsagen und sogleich die Fassung verlieren, wenn man sie auslacht oder auf seinem Recht besteht.