Klimawandel

In unserer großen, alten Linde pfeift und kreischt es ganz exotisch. Im dichten Laub ist nichts zu erkennen. Dann herrscht wieder längere Zeit Ruhe und man glaubt schon, sich die ganze Sache nur eingebildet zu haben. Plötzlich pfeift es wieder, ganz ähnlich wie Bauarbeiter im Klischee Frauen hinterherpfeifen. Eine Krähe fliegt ein und lässt sich weit oben im Baum nieder, das scheucht den versteckten Pfeifer aus der Mitte des Baumes auf und er fliegt in einem großen Bogen Richtung Süden davon. Das Tier ist hellgrau mit einem roten Schwanz – ein Graupapagei.

Dachterrasse

In der ersten Nacht am Himmel zwei Satelliten. Nach langem Warten endlich eine Sternschnuppe, der ich meinen Wunsch anheften konnte. Ich hatte mindestens noch einen zweiten, es zeigte sich aber keine weitere Sternschnuppe. Später im Nordosten Wetterleuchten. In der zweiten sehr klaren Nacht ist mir erstmals die Milchstraße aufgefallen. Die große Stadt mit ihrer Lichtglocke weit genug weg. Wieder ein Satellit und gleich danach eine sehr helle Sternschnuppe, deren Spur noch ein, zwei Sekunden nachglühte und der ich aus wichtigem Grund nochmals meinen ersten Wunsch auftrug und den zweiten zurückstellte. Die dritte Nacht ohne Sterne, der Himmel dicht bewölkt.

Bücher

Das Gesamtwerk von Herrndorf bestellt und gleich noch ein paar Werke von Bernhard dazu. Kaum zu glauben, dass Herrndorfs Tod schon fast zwei Jahre her ist. Selbst wenn man keine tödliche Krankheit hat, die es noch beschleunigt, zerrinnt einem die Zeit zwischen den Fingern und bevor man sich versieht ist Schluss noch ehe man sich klar geworden ist, was mit so einem Leben anzufangen wäre.

Glioblastom

Eine Bekannte hat nun einen Fall in der Familie. Optimistischste Prognose vielleicht ein dreiviertel Jahr. Nach allem was ich bisher gehört habe ist das klar übertrieben. Ich habe Herrndorf angesprochen, was vielleicht ein Fehler war. Sie ist etwas naiv aber ihr dämmert langsam, dass es kein schönes Ende nehmen und nicht mehr lange dauern wird. Herrndorfs fulminantes Tagesbuch »Arbeit und Struktur« immer noch online. Gleich wieder festgelesen.

Alternativlose Bastapolitik

Ein Klima der Angst und Einschüchterung, wie im Kleinen so auch im Großen. Menschlichkeit, Mitgefühl, Empathie – nichts davon. Ein erkennbarer Versuch die unerträglichen Zustände wenigstens zu lindern, von generellem Umdenken ganz zu schweigen … Fehlanzeige. Eine trostlose deutsche Gesellschaft, eine trostlose europäische Gemeinschaft.

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Here comes the sun

Die Tochter wies bei der Einlieferung ihrer Mutter darauf hin, dass darauf zu achten sei, ihr Gesicht wegen der bestehenden Hautkrebserkrankung vor Aufenthalten im Freien besonders natürlich bei Sonnenschein mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor einzucremen. Das können wir uns sparen. Die Mutter sieht die Sonne sowieso nie wieder. Hier ist das Neonlichtparadies.

Nicht Angst

„Alles, soll Konrad zu Fro gesagt haben, sei in seiner Kindheit wie in seiner Jugend wie auch später im Grunde immer über seine Kräfte gegangen. […] Die ganze Kindheit, wie die ganze Jugend, seien ihm gekennzeichnet gewesen durch ununterbrochene Ängstlichkeit, nicht Angst, Ängstlichkeit.“

Thomas Bernhard, Das Kalkwerk

IGeL

Aus Erleichterung darüber, dass die Schmerzen im linken Unterbauch ihre Ursache nicht in einem urologischen Problem haben gleich einen PSA-Test aufschwatzen lassen. So hat der Arzt neben der digital-rektalen Untersuchung auch ein wenig zusätzliche Freude in Höhe von 32,35 €. Jedenfalls verfüge ich über eine schöne weiche Prostata. Weich ist gut, hart wäre schlecht – sagt der Arzt. Die Schmerzen derweil persistieren.