Erschwerte Vergrämung

Ein Amselmädchen wühlt im frisch bepflanzten Balkonkasten herum. Sie klaubt Fasern zusammen und trägt sie in ihrem Schnabel davon um ihr Nest auszukleiden. Die nicht benötigten Erdbrocken verteilt sie großflächig auf dem Balkon. Ich habe ihr aufgelauert, ihr Tun getadelt und es ihr verboten, an die Scheibe geklopft und mit dem Finger gedroht. Es ist ihr egal. Das Nest muss fertig werden. Die Idee, die Erde im Balkonkasten mit einem Vlies abzudecken, hatte nicht die erhoffte abschreckende Wirkung. Sie zupft es einfach beiseite. Jetzt habe ich in der Kinderabteilung alberne kunterbunte Windräder gekauft und im Kasten installiert. Sie drehen sich eifrig und quietschen furchtbar dabei. Mir beginnen sie bereits auf die Nerven zu gehen, hoffentlich dem Amselmädchen auch.

Betriebsärztin

Verdammte Hitze und unerträglich grelles Licht. Nach dem letzten Nachtdienst ohne zu schlafen zu einem Untersuchungstermin in die Stadt gefahren. Ich kann mich nur schwer an die Verkehrsregeln erinnern, so viele Autos und Menschen. Besonders im Univiertel scheinen die Leute vollkommen planlos durcheinanderzulaufen. In der Arztpraxis kann ich mich nicht erinnern, seit wann ich in meiner Firma arbeite. Ich mache mehrmals falsche Angaben, die ich dann durch neue falsche Angaben zu berichtigen versuche. Die Sprechstundenhilfe hält mich für einen Idioten. Später erklärt mir die Ärztin irgendetwas, ich versuche gar nicht erst zu erfassen, was sie mir sagen will. Ich nicke nur, schaue aus dem Fenster, nehme den Zettel, den sie mir gibt, lasse mir Blut abnehmen und pisse in einen Becher. Am Tresen gibt mir die Sprechstundenhilfe noch einen Zettel und erklärt mir, dass ganz wichtig wäre, dass ich … Ich höre gar nicht hin. Dann kann ich gehen. Als ich aus dem Ärztehaus komme ist es fast Mittag und noch heller und noch heißer und noch chaotischer.

Brüllaffe

Gegen 04:00 Uhr verwirrt aufgewacht, weil ein Idiot auf der Straße herumschrie. Der Idiot fuhr irgendwann mit seinem Auto weg und ich konnte lange nicht wieder einschlafen. Am Morgen erfahren, dass Ch. früh gegen 04:00 Uhr im Krankenhaus verstorben ist. Zufällige Koinzidenz. Als rationalem Menschen ist mir esoterisches Geraune vollkommen fremd, trotzdem ein seltsamer Zufall.

Heute mal wieder als Fingerübung eine Bewerbung für eine im Bau befindliche Pflegefabrik abgeschickt. Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der meint, dort sei alles besser, vieles besser, manches besser. Ganz sicher, vielleicht, hoffentlich. Ja, genau. Es geht nichts über präzise Informationen für die Entscheidungsfindung.

Von früher

Der ehemalige Polizist erzählt aus seinem Berufsleben, von haarsträubenden Verkehrsunfällen, von verbrannten und zerfetzten Menschen, in der Mitte durchgerissen, die Unterkörper noch auf den Vordersitzen der Autowracks, die Oberkörper auf der Rückbank. Von hirnlosem Rumficken und Saufen, um die Bilder aus dem Kopf zu bekommen, was nie funktioniert hat.