Kompagnon

Nachtdienst mit einem älteren Semester. Wenige Jahre vor der Rente stehend hat es ihn in die Pflege gespült. Ungefragt er erzählt mir seine Lebensgeschichte in kurzweiliger Form. Er verkörpert den Typus des umtriebigen, schlitzohrigen und improvisationsgeübten DDR-Bürgers. Auch einmal angenehm es mit einer lebenserfahrenen und lebensklugen Person zu tun zu haben. Die anderen haben in der Regel ein unterirdisches Bildungsniveau, keinerlei nennenswerte Interessen oder weiterführende Fähigkeiten, wenn man pausenloses Handygefummel nicht zählen will.

Der Abschluss der Nachtdienstsession unschön; am Morgen vergisst einer der Insassen, dass er nicht laufen kann, steht aus dem Bett auf, fällt sofort um und zieht sich bei der Gelegenheit eine monströse Platzwunde an der Schläfe nebst anderen Verletzungen zu. Ich finde ihn später in seiner großen Blutlache. Das zahlreiche Auftreten derartiger dramatischen Ereignisse hat einen gewissen abstumpfenden Effekt auf mich. Solange man das noch in der Lage ist zu erfassen, scheint es mir jedoch noch nicht so schlimm.

Das Gute liegt so nah

Kleine Ausflüge rund um Schloss Weesenstein und Maxen. Fast schon zu warm in der Sonne nur der ruppige Böhmische Wind kühlte etwas. An einem Tag den Schlosspark des Schlosses Weesenstein und die Reste des Belvederes Weesenstein besucht, am anderen vom Müglitztal hinauf nach Maxen über Crotta und Schmorsdorf mit der uralten Linde. Wenn man andächtig unter ihr auf der Bank sitzt, geht ein Wunsch in Erfüllung, heißt es. Ich hätte nichts dagegen. Später in Maxen am Katzenseniorenheim vorbei, in dem mehr als siebzig alte Katzen leben ein Umstand, der mich immer sehr berührt, vorbei an einer lustigen kleinen Ziegenherde zum Blauen Häusel an der Abbruchkante zum Müglitztal und über Mühlbach zurück zum Ausgangspunkt.

Monologe

»Wenn Monologe gut sind, ziehe ich sie Dialogen vor; es ist, als beobachte man einen Menschen, der ein Buch nur für einen selbst schreibt: er schreibt es, liest es vor, spielt es, korrigiert es, genießt es, freut sich darüber, freut sich über seine Freude, dann zerreißt er es und wirft die Schnitzel in alle vier Winde.«

Henry Miller, Der Koloß von Maroussi

Rammdösigkeitsantidot

Das kleine Bergstädtchen Geising und den dortigen Friedhof besucht. Zwei ehemalige Bewohner des Pflegeheimes, in dem ich früher gearbeitet habe, sind dieses Jahr verstorben und wurden da begraben. Früher lagen zwischen ihren Zimmern drei weitere Zimmer jetzt liegen zwischen ihren Gräbern drei weitere Grabstellen.

Am nächsten Tag erst die Exulantenkirche, später die kleine Exulantensiedlung Georgenfeld angesehen und schließlich durch des Georgenfelder Hochmoor gewandert. Da war ich seit Kindertagen nicht mehr. Man kann dort oben vom Osterzgebirgskamm weit nach Osten und im Süden bis zu den Kegelbergen des Böhmischen Mittelgebirges schauen.